Der Kapitalismus ist mehr als nur eine Wirtschaftsordnung. Als System und Logik hat er längst alle Bereiche unserer Gesellschaft durchzogen. Wie gehen wir damit um, als Gesellschaft, als Kulturschaffende und Gestalter*innen? Welche Rolle spielt Design im Kapitalismus, macht es doch unsere gestaltete Umwelt und jeden noch so banalen Alltagsgegenstand schöner, gebrauchsfreundlicher und begehrenswerter? Kann Design zu einer Veränderung beitragen, kapitalistische Strukturen sogar untergraben?
Das Argument, das Design würde der ungezügelten Konsumkultur und seiner verheerenden Folgen zuarbeiten, ist (zugegeben) nicht völlig von der Hand zu weisen. Dass es 1. auch anders geht und 2. darauf ankommen muss, etwas an den gesellschaftspolitischen Strukturen zu ändern, zeigten unsere Referent*innen:
Die Philosophin Mara Recklies legt in ihrem Vortrag dar, dass die konsumfördernde Funktion des Designs keineswegs zu naturalisieren ist. Es gab vorkapitalistische Gestaltung, und wir können gemeinsam an Strategien eines postkapitalistischen Designs arbeiten. Außerdem: Wir dürfen den Kapitalismus auch kritisieren, wenn wir gern mal shoppen gehen. Statt mit dem Finger auf Andere zu zeigen, sollten wir gemeinschaftlich darüber nachdenken, welche Werte wir (in Beruf und Gesellschaft) verantworten wollen.
Der Architekt und Designer Van Bo Le-Mentzel stellt uns hierzu ein praktisches Beispiel vor und bringt sein Projekt gleich mit: Das Pick-Up House ist eine kreative Strategie, Obdachlosigkeit und Wohnungsnot mit Design etwas entgegenzusetzen. Seine Organisation Tiny Foundation stellt das Tiny House obdachlosen Menschen in Berlin kostenlos für die Nacht zur Verfügung.
Projektteam
Gewerkdesign
Stefan Rothert
Birgit Schlegel
Jens Imig
Christina Storch
Antoine Laurent