Ausstellungen mit allen Sinnen erfahren – Immersion ist ein anhaltender Trend in der Ausstellungsgestaltung. Video killed the Radiostar? – Löst das Gestaltungswerkzeug Immersion konventionelles Ausstellungsdesign allmählich ab? Und: ist das sinnvoll?
Nach einem impulsgebenden Vortrag zum Thema von Katharina Erben möchten wir gemeinsam mit Ihnen Erfahrungen, Sinn und Nachteile immersiver Ausstellungsgestaltung diskutieren. Hierzu möchten wir Sie zum ersten Teil unserer Veranstaltungsreihe "gewerk in the garden" zu uns ins Grüne einladen.
Katharina Erben hält einen Master of Arts in Komparatistik, Anglistik und Skandinavistik. Sie ist spezialisiert auf die Vermittlung zwischen Inhalt und Gestaltung und außerdem als Übersetzerin schwedischer Texte ins Deutsche tätig, darunter Texte der feministischen schwedischen Comicautorin Liv Strömquist.
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Projektteam
Gewerkdesign
Stefan Rothert
Birgit Schlegel
Jens Imig
Christina Storch
Antoine Laurent
Resümee
Der Begriff „Immersion“ ist nicht klar definiert. Wörtlich bezeichnet er ein Eintauchen oder Durchtränken und beschreibt neben vielen anderen Erlebnissen zum Beispiel auch eine effektive Methode für den Fremdsprachenerwerb: sich in ein alle Sinne umfassendes Umfeld begeben, zum Beispiel ein fremdsprachiges Land, und sich auf dieses Umfeld einlassen wie auf das Wasser in einem Alpinen Bergsee in einem Schweizer Sprachinternat.
Für uns als Gestalter*innen von (nicht nur, aber zum großen Teil) räumlicher Ausstellungsarchitektur ist Immersion ein gestalterisches Vermittlungswerkzeug und ein Effekt, der durch dieses Werkzeug hervorgerufen werden soll – eine stark sinnliche Erlebniswelt und ein lustvolles Ineinanderübergehen von Exponat, Gestaltung und Publikum.
Dabei kann eine Ausstellungsarchitektur entweder so anregend und umfassend gestaltet sein, dass man in sie eintaucht und sich darin versenkt (also von einer Welt in die andere gelangt) oder so, dass die Grenzen zwischen gestalteter und „natürlicher“ Umwelt, von Kunstwerk und Betrachtenden sich miteinander verbinden (also ein Verschmelzen verschiedener Welten).
Damit dies gelingt, empfiehlt es sich, dass der gestalterische Reiz möglichst stark und attraktiv ist und dass, möglichst, mehrere Sinne durch die Gestaltung angesprochen werden. In der Kommunikation für viele immersive Ausstellungen heißt es zudem, dass Exponate „zum Leben erweckt“ würden, also „animiert“ in der lateinischen Übersetzung des Wortes. Und tatsächlich wird Immersion in der Ausstellungsgestaltung heute häufig als digitale Animation verstanden, oft auch als Augmented oder Virtual Reality.
Dieser sehr zeitgenössischen Interpretation des Begriffs stellte die Referentin Katharina Erben, im Laufe des Abends viele Beispiele aus früheren Epochen gegenüber, denn von welcher Art ästhetischem Erlebnis sich das Publikum immersiv verschlucken lässt, war selbstverständlich nicht zu allen Zeiten gleich und ist von Beschaffenheit und Rezeptionsgewohnheiten der Zielgruppe abhängig. Ein Raum mit einem vier Wände umlaufenden Gemälde eines lebensgroßen Bachantinnenzuges in einer Villa im antiken Pompeji hatte seinerzeit mutmaßlich den gleichen Immersionseffekt wie ein Mammut-Diorama auf Grundschüler*innen im Kassel der 1980er Jahre oder die interaktiven, abstrakten Digitalprojektionen in den sechs-Meter-hohen Räumen des 2018 eröffneten Digital Arts Museums auf seine tokyoter Besucher*innen.
Auch immaterielle Immersionsräume kamen zur Sprache: neben digitalen Environments zum Beispiel auch Gerüche und soziale Plastiken, Performances und virtuelle Ausstellungen. Die Referentin wagte die Prognose, dass Events an immateriellen Orten wie zum Beispiel Minecraft und Instagram durch ihre Immersionswirkung für Museen und Ausstellungen in Zukunft immer wichtiger werden. Ebenso wie auch Scriptes Spaces, zum Beispiel Escape Rooms oder Live Action Role Plays, die Erwartungshaltung des Publikums an Museumsausstellungen stärker beeinflussen werden.
Wo ist immersive Gestaltung angebracht und wo ist sie es nicht? Wie lässt sich die Qualität der Immersion messen? Und: Wie genau lassen sich durch Immersion hervorgerufene Empfindungen für die Vermittlung von rationalen Ausstellungsinhalten nutzen? Dies sind Fragen, die wir an diesem Maiabend im gemeinsamen Gespräch bei Snacks und Getränken erörterten.