Klang gewinnt in der räumlichen Gestaltung zunehmend an Bedeutung. So wird Klang in Szenografiekonzepten nicht mehr nur unterstützend eingesetzt, sondern ihm kommt immer öfter eine bestimmende Funktion zu. Während der Hörsinn gegenüber dem Sehsinn vormals erst an zweiter Stelle angesprochen war, ist es durch technische Innovationen und ein neues Verständnis von Klang inzwischen oft andersherum. Anstatt lediglich als Beiwerk visueller Erzählungen eingesetzt zu werden, funktioniert Klang auch als eigenständiges, leitendes Element, mit dem die Dramaturgie eines Raums dirigiert, geformt und emotional vertieft werden kann.
Bei »gewerk in the garden #6: Sound im Raum« spricht der Soundartist und Sounddesigner Felipe Sánchez Luna über seine Arbeit mit Klang in der räumlichen Gestaltung. Welche Wirkung Klang auf das Publikum hat, wenn dieser in der Szenografie eine tragende und nicht nur eine unterstützende Rolle spielt, stellt er anhand einiger Projekte seines Soundstudios Kling Klang Klong dar. Im Fokus stehen multikanalige, interaktive und modulare Klangumgebungen. Der Vortrag zeigt, wie Sound Räume in Narration verwandeln kann und wie räumliches Hören Bewegung, Aufmerksamkeit und Emotionen lenkt. Anhand von Beispielen aus Ausstellungen und großformatigen Installationen wird gezeigt, wie Musik und Klang zu einer Sprache werden können – einer Sprache, die emotionale Verbindung schafft, intuitives Verstehen ermöglicht und physische Räume in lebendige Geschichten verwandelt.
Die Musiker Arne Imig (E-Bass) und Lukas Backs (Querflöte) werden in einer Live-Performance natürliche Geräusche aus unserem Garten elektronisch sampeln und dazu auf ihren Instrumenten improvisieren. Entstanden ist die Idee zu ihrer Musik in den Tälern des Piemont, an einem mäandernden Bach, zwischen Bäumen und Steinen, begleitet vom Rauschen des Windes. Querflöte und Bass stehen nicht im Mittelpunkt, sondern versuchen, Teil des Raumes zu sein – einzutauchen in die umgebenden Geräusche, sich mit dem zu verbinden, was ohnehin schon klingt. Musik ist überall: im Rascheln der Blätter, im Summen der Insekten, im Knacken alter Holztritte, im Nichts zwischen zwei Atemzügen. Sie hören, sie antworten, sie greifen ein – und lassen wieder los. Die Querflöte haucht, elektronisch verzerrt, zerschnitten, gespiegelt. Der Bass reagiert mit Vibration, mit Tiefe, mit körperlicher Resonanz. Effekte dehnen die Zeit, zerlegen den Moment, lassen neue Räume entstehen.
Projektteam
Gewerkdesign
Stefan Rothert
Birgit Schlegel
Jens Imig
Kristina von Bülow
Christina Storch
Antoine Laurent